Notstrom mit Photovoltaik: Welche Lösungen im Eigenheim realistisch sind

01.03.26 – Mit einer Notstrom-PV-Anlage ist es möglich während Netzunterbrechungen Strom zu nutzen. Jedoch funktioniert das nur mit einer Notstrom- oder Ersatzstromfunktion. Die Nutzung ist hierbei abhängig vom Speicher, Systemtyp sowie normgerechter Netztrennung. 

Auch eine bestehende PV-Anlage kann man mit Notstrom nachrüsten, was jedoch eine sorgfältige Planung und technisches Know-how erfordert – und bei bestimmten Arbeiten, insbesondere am elektrischen Anschluss, zwingend von einem zugelassenen Elektriker durchgeführt werden muss.

Wie funktioniert Photovoltaik bei Stromausfällen?

Standard-PV-Anlagen schalten bei Stromausfällen automatisch ab (Inselnetzschutz gemäß VDE-AR-N 4105), um Netztechniker zu schützen – auch bei Sonnenschein gibt es dann keinen Strom.

Nur bei einem PV-Speicher mit Notstromfunktion versorgt ein spezieller Wechselrichter mit zertifizierter Inselnetzerkennung über Notstromsteckdosen ausgewählte Geräte (z. B. Kühlschrank) aus dem Batteriespeicher. Bei Sonneneinstrahlung nutzt er zusätzlich PV-Strom, wenn er „schwarzstartfähig" ist.

Speicher werden Standard – was das für Eigenheime bedeutet

Stationäre Batteriespeicher sind in Deutschland längst kein Nischenprodukt mehr. Laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) wurden 2024 rund 600.000 neue Batteriespeicher installiert. Damit stieg der Gesamtbestand auf über 1,8 Millionen Speicher mit einer Kapazität von rund 19 GWh – ein Zuwachs von fast 50 Prozent innerhalb eines Jahres.

Allein im Eigenheimbereich sind inzwischen rund 1,8 Millionen Heimspeicher mit einer Gesamtkapazität von etwa 15,4 GWh installiert. Speicher in Kombination mit Photovoltaik sind damit faktisch zum Standard geworden.

Diese Entwicklung zeigt: Wer heute eine PV-Anlage betreibt oder neu plant, denkt zunehmend in Systemlösungen – also PV plus Speicher. Damit stellt sich für viele Bestandsanlagen automatisch die Frage, ob und wie sich eine Notstrom- oder Ersatzstromfunktion technisch nachrüsten lässt.

PV-Anlage mit Notstrom nachrüsten – wann ist das möglich?

Bestehende PV-Anlagen lassen sich grundsätzlich mit einer Notstrom- oder Ersatzstromfunktion nachrüsten. Voraussetzung ist jedoch, dass folgende Punkte technisch umsetzbar sind:
 

  • geeigneter (hybrid- oder notstromfähiger) Wechselrichter
  • normgerechte Netztrennung gemäß VDE-AR-N 4105
  • Anpassungen im Zählerschrank bzw. in der Unterverteilung
  • Optimal ist ein kompatibler Stromspeicher, um das Haus auch in Zeiten ohne Sonneneinstrahlung versorgen zu können

 

Entscheidend ist die Zieldefinition:

Soll lediglich eine Notstromsteckdose für einzelne Verbraucher versorgt werden – oder ein definierter Teil des Hausnetzes automatisch weiterlaufen?

Von dieser Entscheidung hängen Aufwand, Kosten und Eingriffstiefe in die Elektroinstallation ab.

 

Welche technischen Voraussetzungen für eine Nachrüstung gelten und welche Speicherlösungen geeignet sind, erläutern wir im Artikel PV-Speicher nachrüsten: prolux-solutions.com/de/de/pv-speicher-nachruesten

Was bedeutet „PV mit Notstromfunktion“ technisch?

Bei einer PV-Anlage mit Notstromfunktion gibt es drei technische Komponenten:

  • Notstromfähiger Wechselrichter – Netzausfall-Erkennung, Trennung vom öffentlichen Netz und Erzeugung Wechselstromnetz.
  • Netztrenn- und Umschalteinrichtung – Notstrom Umschalter der PV-Anlage trennt das Hausnetz vom öffentlichen Netz und verhindert Rückspeisung
  • Optimal ist ein Batteriespeicher – er versorgt Verbraucher, wenn die Sonne nicht scheint.

 

Notstrom vs. Ersatzstrom: der praktische Unterschied

Notstrom und Ersatzstrom sind unterschiedliche Konzepte für die Stromversorgung bei einem Netzausfall. Sie basieren auf Speicher sowie Wechselrichtern und unterscheiden sich in Umfang, Automatisierung und Technik.

Notstrom versorgt essenzielle Geräte (Kühlschrank) über eine oder wenige Notstromsteckdosen (manuell oder halbautomatisch).

Ersatzstrom wiederum speist ausgewählte Stromkreise oder das gesamte Hausnetz automatisch.

 

Notstrom-PV-Anlage – Welche Lösungen sind realistisch?

Für Einfamilienhäuser lassen sich Backup-Konzepte in der Praxis in drei typische Ausprägungen einteilen. Die Unterschiede betreffen vor allem Versorgungsumfang, Umschaltzeit, technische Anforderungen und Investitionshöhe. Eine offizielle Norm für diese Einteilung gibt es nicht – sie dient der Orientierung.

 

Stufe 1: Notstrom-Steckdose (Basislösung)

  • Versorgung einzelner Geräte über eine dedizierte Steckdose
  • Einphasig, meist 1–3 kW
  • Benötigt notstromfähigen Wechselrichter, Speicher optional
  • Teilweise direkte PV-Nachladung möglich
  • Geringer Installationsaufwand

Geeignet für: kurze Stromausfälle, Kühlschrank, Licht, Router

 

Stufe 2: Ersatzstrom für ausgewählte Stromkreise

  • Bestimmte Stromkreise (z. B. Licht, Heizung, IT) bleiben versorgt
  • Typischerweise einphasig bis 3,5 kW
  • Hybrid-Wechselrichter + Speicher + Umschalteinrichtung
  • PV-Nachladung im Inselbetrieb möglich

Geeignet für: typische Eigenheime mit Wunsch nach funktionaler Grundversorgung

 

Stufe 3: (Teil-)Haus-Ersatzstrom, dreiphasig

  • Weitgehend vollständige Hausversorgung
  • 8–15 kW, dreiphasig
  • Großer Speicher, Backup-Controller, vollständige Netztrennung
  • Schwarzstartfähigkeit erforderlich

Geeignet für: Haushalte mit hohem Autarkieanspruch oder häufigen Netzausfällen

 

Einordnung für Eigenheimbesitzer


In der Praxis entscheiden sich die meisten Eigentümer für eine Kombination aus Stufe 1 oder 2. Eine vollständige dreiphasige Ersatzstromlösung wird selten rein aus Wirtschaftlichkeitsgründen installiert, da Stromausfälle in Deutschland statistisch kurz und selten sind.

Entscheidend für die Wahl sind:

  • gewünschte Versorgungssicherheit
  • vorhandener oder geplanter Speicher
  • Leistungsbedarf im Ernstfall
  • Budget

Nicht jede bestehende Anlage lässt sich ohne Weiteres auf jede Stufe erweitern. Ob eine Nachrüstung möglich ist, hängt vom Wechselrichter, der Speicherkompatibilität und der elektrischen Infrastruktur ab.

 

Wie lange reicht Notstrom mit PV-Anlage?

Wie lange der Notstrom reicht, hängt von der Speichergröße und den betriebenen Verbrauchern ab. Bei einem beispielhaften PV-Speicher mit 10 kWh Kapazität (8 kWh nutzbar) ergibt sich folgende Rechnung:

Beispielhafte Dauerlast, wenn nur unbedingt notwendige Verbraucher betrieben werden (gilt für eine Gas- oder Ölheizung, Wärmepumpen oder Heizstäbe benötigen zu viel Leistung, um mit einem üblichen Speicher betrieben zu werden)

  • Kühlschrank – ca. 50 W
  • Licht & Smartphone laden – ca. 40 W
  • Heizungspumpe sowie Regelung und Ventile der Heizung – ca. 100 W


Wie sich Speicherkapazität und Eigenverbrauch im Alltag auswirken, erklären wir im Artikel Solarstrom speichern im Eigenheim:
prolux-solutions.com/de/de/solarstrom-speichern

Reichweite bei verschiedenen Nutzungen

 

Für die Tabelle werden gerundete Lastszenarien angenommen.

Balkonkraftwerk mit Notstrom: Was geht wirklich?

Ein Balkonkraftwerk ohne Speicher schaltet sich bei Stromausfall aus Sicherheitsgründen ab. Notstrom ist hier ein Spezialfall:

  • Inselbetrieb: Insofern das System einen Speicher und inselfähigen Wechselrichter aufweist.
  • Leistung: Leistung reicht für kleine Verbraucher.
  • Anschluss: Strom nur über eine Notstromsteckdose am Speicher.
  • Kosten: 800 € bis 1.500 €.

Ist das Nachrüsten einer Notstromfunktion sinnvoll?

Eine Standard-PV-Anlage bietet bei Stromausfällen keine verlässliche Notstromversorgung. Erst durch das Nachrüsten eines Speichers mit Not- oder Ersatzstromfunktion ist eine Versorgung im Blackout möglich.

Ob sich eine Notstromlösung wirtschaftlich lohnt, hängt vom individuellen Sicherheitsanspruch, der regionalen Netzstabilität und dem Budget ab.

 

FAQ zum Thema Notstrom mit Photovoltaik

Benötige ich einen Batteriespeicher für Notstrom?

Für eine zuverlässige Notstromversorgung ja. Denn ohne Speicher kann die PV-Anlage im Notstrombetrieb nur dann Strom liefern, wenn die Sonne scheint.

Kann ich mit Notstrom kochen?

Das hängt von der System-Entladeleistung ab. 

Was bedeutet „schwarzstartfähig“?

Das ist die Fähigkeit der Anlage, nach einem Netzausfall ein Stromnetz zu bilden und sich selbst wieder einzuschalten.

Wozu ist die Netztrennung gut?

Mit dem Notstrom sollen nur die Verbraucher im eigenen Haus versorgt werden. Zudem kann es ohne Notstrom zu Störungen kommen, wenn das öffentliche Stromnetz wieder hinzugeschaltet wird.

Wie hoch ist der Wartungsaufwand?

Notstromsysteme sollten einmal jährlich getestet werden.

Lohnt sich die Investition wirtschaftlich?

Meist nicht, da Stromausfälle in Deutschland eher selten sind.